Die Bewahrung von Kulturgut, wozu auch alte historische Häuser gehören, ist eigentlich eine Verpflichtung. Historische Bauten am ihrem angestammten Ort zu erhalten, ist oberste Zielsetzung. Durch einen Abriss ist der Verlust von historischen Baustoffen und alten Baumaterialien unumgänglich. Alle Häuser brauchen Reparaturen, alte genauso wie neue. Ein altes Haus hat um einiges mehr an Flair, wie ein neues. Sicherlich hat man nach einer Sanierung viel mehr Freude an seinem schönen Besitz und ist stolz auf den bestehenden Bestand, wenn man sogar noch selber Hand angelegt hat. Eine Renovierung muss ja auch nicht von heute auf morgen erledigt sein, lassen Sie sich Zeit und Muße mit der Suche nach historischen Baumaterialien. Inzwischen gibt es ja auch eine Vielzahl von historischen Baumärkten, in denen Sie kompetent bedient und beraten werden.
Das größte Kapital eines alten Hauses ist sein Alter. Zerstören Sie nicht seinen größten Vorteil, denn Alter ist durch nichts zu ersetzen. "Aus Alt mach Neu" wird zur Maskerade und ist unehrlich. Sogar zur Urkundenfälschung. Risse in altem Holz und Putz gehören genauso dazu. Sie geben dem Ganzen eine gewisse Patina. Können Sie es akzeptieren und stehen dazu. Neue Baumaterialien haben am Altbau nur bedingt etwas zu suchen.
Achten Sie auf die Kleinigkeiten ihres Altbaus. Vieles lässt sich wiederverwenden, z. B. alte handgestrichene Biberschwanzziegel, die eine wunderschöne lebendige alte Dachlandschaft ergeben, mundgeblasenes historisches Glas mit Schlieren in Fenstern und Türen, oder vielleicht sogar altes Ätzglas und Buntglas, historische Türgriffe, alte Natursteingewände, Lehmausfachungen im Fachwerk, Altputze, alte Dielenböden oder historische Parkette, eine alte knarrende Treppe. Sie geben dem Haus seinen Reiz, sein Flair, sein Alter, seine Geschichte.
Seien Sie dafür sensibel, alte Häuser sind nicht zu ersetzen, ihr Erhalt ist die Mühe wert.
Historische Fenster mit ihren Sprossen und vielleicht noch erhaltene alte hölzerne Klappläden geben der Fassade den Rhythmus. Wie rasch sind Proportionen und Maße zerstört, wenn man sie nicht erkennt, so entsteht Harmonie. Sie werden vergeblich diese Harmonie in unseren heutigen Bauten suchen: Dächer mit Betonsteinen wie Deckel, Fensteröffnungen wie Stanzmuster, garniert mit Rollläden, Aluminiumtüren, Geländer im laufenden Meter als Betonband oder künstlichem Schmiedeeisen, Erker, Dachgauben, soviel, dass das Haus aus den Fugen kracht. Und die Vorbilder sieht man überall - die guten und die schlechten.
Versuchen Sie sensibel zu sein und mit offenen Augen durch unsere Städte und Dörfer zu schlendern.
Ratschläge zu erteilen ist einfach. Jedes alte Haus ist ein Individuum, ungenormt und zugegebenermaßen schwer zu erfassen, aber nicht hoffnungslos und der Mühe wert. Deshalb ist für alle Beteiligten die Auseinandersetzung mit dem Altbau immer eine Wagnis, wenn man sich der Verantwortung nicht entziehen will. "Länge x Breite x Geld" ("Spiegel"-Titel) stellen letztendlich nicht unsere gebaute Lebensqualität dar. Erbringen sie sich selber den Beweis, dass weder hohe Kosten im Altbau noch überzogene "Pflegeleicht-Ambitionen" das Entscheidungskriterium für den Umgang mit einem Altbau ist.
Eine alte Haustür muss nicht weggeworfen und durch eine geschmacklose Aluminiumtür Typ "Modernes Wohnen" ersetzt werden. Wie beim Auto erhalten Ersatzteile das Gesamtprodukt. So sind die Bauteile konstruiert, auch wenn mancher "Hand"-Werker das alte "Glompp" nicht anfassen mag - der schlaue Vertreter mit seinem bunten Katalog wartet schon.
Prüfen Sie, ob Altes nicht erhalten werden kann; meist ist Instandsetzung sogar preisgünstiger und schöner.
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