Jeder Student sieht an seiner Universität täglich mindestens einen anderen Studenten, dessen Physiognomie nicht europäisch ist. Niemand hindert ihn daran, mit diesem Studenten in Verbindung zutreten, und über die Kulturunterschiede zu plaudern. Wer redet, kämpft nicht. Wer redet, lernt zu verstehen.
Auch wenn bei diesen Dialogen kulturdifferenzbedingte Missverständnisse auftreten können, macht dies keineswegs die Qualität zunichte.
Um einmal ein ganz schlechtes Beispiel aus der Welt des Pop anzubringen: Die One-Summer-Hit – Wonder „Las Ketchup“ landeten vor ca. 2 Jahren den Sommerhit, indem sie (weil Spanier und des Englischen eher unkundig) den Refrain des Rap- Klassikers „Rapper`s Delight“ verhohnepiepelten. Kein Hip Hopper war pikiert, und alle haben zusammen zu „Las Ketchup“ auf den Tischen am Ballermann getanzt. Hier wurde aus dem Missverständnis also ein auch „produktives Missverständnis“ genanntes Produkt geboren, dass zur Völkerverständigung beitrug (wenn auch nur auf der Tanzfläche), und etwas Neues schaffte.
Überhaupt scheint die Zitierwut der Musik der größte Ausdruck und Generator von Globalkolorit zu sein. Sie vereint alle Völker, die sonst über Sprachbarrieren stolpern, und kommt meist ohne große Worte aus. Auch wenn dabei vielleicht die wunderbaren Metaphern und Sprachspiele der Songs verloren gehen, so ist das Wesentliche doch immer unterschwellig transportabel. Auch in der Modewelt, sowohl in der Herrenmode als auch der Damenmode, bringen Zitate, wenn auch nur äußerst rudimentär, die Völker einander näher. Wenn wir ethnisch angehauchte Accessoires tragen werden wir nicht unbedingt verständiger, wir kommen dennoch mit anderen Kulturen in Berührung und beginnen im Idealfall, uns mit diesen über den bloßen modischen Geschmack hinaus, zu beschäftigen.
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