Die Gemälde des französischen Malers Henri Matisse (1869-1954), dem Mitbegründer des Fauvismus (ca. 1904-06), sind weltberühmt. Besonders populär sind jedoch seine ab ca. 1909 entstandenen Werke, die sich durch folgende Charakteristika kennzeichnen: Betonung derZweidimensionalität der Malerei, Verzicht auf eine illusionistische Darstellung, klare und einfache Formensprache als Träger der Komposition in Verbindung mit einer ebenso klaren und eindeutigen Farbigkeit, die durch ihre Kontraste Spannung im Bild erzeugt. Das in zwei Variationen entstandene Gemälde „Der Tanz“ (1909/10) zählt zu den beliebtesten Reproduktionen. Es besticht durch seine Einfachheit in Farbe und Komposition. Fünf in Orange-Rot gefasste nackte Figuren sind wie in einer Momentaufnahme im tanzenden Reigen abgebildet. Sie stehen in starkem Farbkontrast zum Hintergrund, der der sich aus zwei durch eine geschwungene Linie getrennte Flächen in Blau und Grün bildet. Eine Ahnung von Raum entsteht allein durch die Anordnung der Figuren im Kreis, der faktisch durch die Positionierung der Figuren im Bild suggeriert wird. „Der Tanz“ war Teil eines Doppelauftrages des russischen Sammlers Schtschukin an Matisse, der zum „Tanz“ das Pendant „Musik“ schuf. Im Bild „Der Tanz“ sind stilistische und kompositorische Mittel angelegt, die Matisse bis in sein Spätwerk hinein konsequent weiter verfolgt. Die Einfachheit und Prägnanz der Komposition orientieren sich am Primitivismus, einer Kunst, die sich mit dem Studium der Ausdrucksmittel so genannter „primitiver Völker“ beschäftigte. Die Klarheit ihrer Formensprache wurde neben Matisse von verschiedenen Künstlern der Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie etwa Paul Gauguin oder der Künstlergemeinschaft „Die Brücke“ adaptiert. Ziel dieser Adaption und künstlerischen Umsetzung mittels der Kraft der Farbe war es, einen unmittelbaren und ursprünglichenAusdruck zu erreichen. Für Matisse bedeutete „Der Tanz“ Ausdruck von Lebensfreude und Sinnlichkeit.