Beim Lesen eines guten Buches erschafft man sich eine eigene Welt. Man wird selbst zum Helden spannender Abenteuer, macht mysteriöse Bekanntschaften, besichtigt die interessantesten Schauplätze. Es ist also nur ganz natürlich, dass man sich für seine eigene Welt auch eigene Traditionen erschafft. „Buchkulte“ sind Angewohnheiten rund ums Buch, die sich Leser selbst aussuchen und konsequent während der Lektüre verfolgen.
Diese Definition hört sich großspurig an, sie umfasst aber auch scheinbar Banales: Wo lese ich am liebsten? In der Badewanne, auf dem Klo, auf der Couch, im Bett? Welche Buchcover sprechen mich an? Ziehe ich von Büchern im Hardcover immer zuerst den Umschlag ab, bevor ich damit beginne das Buch zu lesen? Oder trinke ich zu jeder ersten Seite eines Buche,s das ich lese ein Glas Wein?
In dieser Spannweite spielen sich „Buchkulte“ ab; auf LovelyBooks.de, einer Online-Community für Leser und Liebhaber von Büchern, hat sich eine eigene Diskussions-Gruppe rund um dieses Thema gebildet. Hier wird auch der Brückenschlag vom Buchkult zum Kultbuch unternommen. Die User der Plattform diskutieren hier über ihr kultigstes Buch – das Buch, das sie über die Zeit hinweg begleitet hat und das sie immer wieder lesen. Auffallend ist, dass scheinbar jeder Leser ein persönliches Kultbuch hat. Die meisten Leser hängen an ihren alten Kinderbüchern, beliebt sind auch Klassiker wie „Der Fänger im Roggen“ (J.D. Salinger) oder „Die Entdeckung der Langsamkeit“ (Stan Nadolny). Angeführt wird die Liste – basierend auf einer qualitativen Auswertung des Threads – jedoch von der Jugendbuch-Klassikerreihe „Hanni und Nanni“.
Doch es gibt auch wirklich seltsame Traditionen, wenn es um das Lesen von Büchern geht. Für den einen darf nichts im Hintergrund zu hören sein, daher kann er nur in geschlossenen Räumen und bei geschlossenen Fenstern lesen – die U-Bahn-Lektüre ist undenkbar. Der nächste kann nur in den abgetretenen Wohlfühl-Pantoffeln lesen. Und der Dritte spricht jedes Zitat laut mit.
Aber was auch immer die eigenen Traditionen sind, die man sich fürs Lesen erschafft – letztendlich geht es doch immer darum, die selbst erschaffene Welt noch etwas persönlicher zu gestalten.
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